Hugenottenduathlon Neu-Isenburg

Ich greife mal vor: Ich hab das hier echt vermisst. Ne Startnummer, der Kampf um Positionen, Lunge pfeifft, sich selbst (im Kopf) gut zureden und das grandiose Gefühl, dass der eigene Körper grad unter Last auf allen Zylindern läuft – das kann einem kein Training bieten.

Nach 20 Monaten Abstinenz war es am 7.11.2021 wieder soweit: Wettkampf. Crossduathlon in Neu-Isenburg (4-20-4/Windschattenfreigabe). 
Der Abend davor: Klamotten rauslegen, Wetterbericht checken, Strecken auf Strava, Youtube oder sonstwo checken, Szenarien zurechtlegen, die allesamt niemals eintreten usw. 
Der nächste Morgen: Vor dem Wecker wach geworden, ausgiebiges Frühstück, finale Klamottenentscheidung (Longsleeve, Windbreaker, Tria-Einteiler drüber damit nichts flattert außer den Nerven, Flandernsocken, Handschuhe, Adizeros und kein Wechsel auf Radschuhe fürs Crossern im Wald). Dann ungefähr eine Stunde Fahrt nach Neu-Isenburg. Nichts los auf der Autobahn und unterhalten vom aktuellen Hycys Podcast (generelle Empfehlung!). Vor Ort dann alles eher familiär und stressfrei mit reichlich Parkplätzen, kurzen Wegen und Co. Start/Ziel/Wechselzone ist in dem Fall der Neu-Isenburger Sportpark, im Prinzip ein kleines Stadion, in dem dann auch bis zum Start und ab dem Ziel wieder Maskenpflicht angesagt war. Das wurde größtenteils von den Leuten auch so beherzigt. 

Nach Rad Check-In ein für meine Verhältnisse sehr ausgiebiges Aufwärmprogramm, paar Ansprachen von wichtigen Leuten aus der Gegend, in den ersten Startblock gestellt und Maske abgenommen. Startschuss und ab. Ausgang Stadion, dann noch so 200m und es geht in den Wald, ich an ca. Position 15. Der Pulk mit den Kanonen ist die nächsten 4 Kilometer langsam aber sicher nach vorne entschwunden, ab und zu mal überholt und manchmal auch überholt worden. Insgesamt ein guter, schneller Lauf ohne zu überziehen. Zurück im Stadion dann zwei Plätze gut gemacht, weil ich nur den Helm aufsetzen und das Rad schnappen musste. Schieben, drauf springen, 400m Asphalt über eine Brücke, hart rechts und dann im Wald unterwegs. Den kennt übrigens fast jeder von uns von oben. Einflugschneise Frankfurt lässt grüßen 🙂


Nachdem ich die letzten Monate viel gecrossert bin und auch die Tatsache, dass meine Füße nicht fest mit den Pedalen verbunden waren mir bisschen Sicherheit gegeben hat, ging das sehr gut im Wald. Technisch auch nicht super anspruchsvoll. Matsch, Laub, viele Kurven aber keine Wurzeln, Downhills oder sonstwas. Nach einem Kilometer eine Zweckgemeinschaft mit zwei anderen gebildet, sogar einen Kreisel für die nächsten 6-7km hingekriegt, dann kam von hinten ein schneller Mann (Heimo Kiefer – und der kann so ein bisschen gut Radfahren…), schaut sich das ne Minute an, setzt sich nach vorne und haut mit meinen beiden Helfern ab. Bin noch kurz drangeblieben, hab dann aber reißen lassen. War über meinem Limit, wenn ich im zweiten Lauf noch irgendwas zusammenbringen wollte. 
Dann erstmal ne Weile solo, bei km 14 ca. kamen noch zwei von hinten, wieder Kreisel, vorne ist einer rausgefallen und bei uns mit. Dann ein nicht ganz so heller Moment meinerseits als sich der Vordermann links einordnet und ‘links’ ruft und ich an Position zwei ein lautes ‘RECHTS’ krähe. Warum auch immer. Vermutlich weil seine Linie mich eine Rechtskurve vermuten ließ. Haben wir jedenfalls mal alle kurz Angst gehabt, die Kurve aber erwischt, ich dann eine Entschuldigung angeboten und weiter gings. So ist das dann auch bis in die zweite Wechselzone geblieben. Position 12 glaub ich. 

Der zweite Wechsel nur so la la, und auch an der Position wieder aus dem Stadion raus. Und danach sind alle um mich rum irgendwie das exakt gleiche Tempo gelaufen, nichts verloren, aber auch nichts gewonnen. Kurz vor Ende dann noch einen überholt, aber das wars auch. Platz 11 gesamt und Zweiter in der Altersklasse. 

Danach wieder stressfrei auslaufen, Rad holen und auf der knallvollen Autobahn heim. Pünktlich zu Kaffee und Kuchen eingetroffen. Was willste mehr. 

Paul

Bilder: Ingo Kutsche

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