Jens qualifiziert sich beim UCI Gran Fondo Suisse für EM und WM

Beim UCI Gran Fondo Suisse im schweizerischen Villars-sur-Ollon konnte ich mit Platz 24 von 97 Fahrern in meiner Altersklasse die Qualifikation für die Europa- und Weltmeisterschaft erreichen. Die Entscheidung fiel dabei denkbar knapp aus: Nur die besten 25 Prozent qualifizierten sich, und zwei Plätze weiter hinten hätten nicht mehr gereicht (25 Quali-Plätze gab es in diesem Fall).

Die rund 150 Kilometer lange Strecke mit 3.700 Höhenmetern führte über sechs lange Anstiege und brachte Tour de France – Etappencharakter mit sich.

Das Rennen war von Beginn an enorm intensiv. Rund 25 Minuten vor dem Start konnte ich mich weit vorne in meinem Startblock  positionieren und versuchte in den ersten Minuten, bei den stärksten Fahrern meiner Altersklasse zu bleiben. Die ersten rund 15 Minuten gelang mir das auch, musste dann aber einige Fahrer ziehen lassen. In der ersten Abfahrt holte ich wieder rund zehn Fahrer meiner Altersklasse ein.

Am zweiten Anstieg, dem Col du Pillon, ergab sich dann ein ähnliches Bild.
An den langen Anstiegen versuchte ich, möglichst kontrolliert meine geplanten Werte zu fahren und konnte auch in den Abfahrten meine Stärken ausspielen & immer wieder Lücken schließen. In den Flachpassagen galt es dann in den Gruppen unnötige Watt zu sparen.

Besonders anspruchsvoll waren die langen Anstiege im zweiten Rennteil. Am La Forclaz traten erstmals leichte Krampfansätze auf. Mit ordentlicher Flüssigkeits- und Natriumzufuhr bekam ich diese zunächst gut unter Kontrolle. Am letzten großen Anstieg, dem Col de la Croix, waren die ursprünglich geplanten Wattvorgaben nicht mehr ganz möglich und ich war ordentlich im roten Bereich.

Trotzdem war genau dieser letzte Anstieg entscheidend. Während viele Fahrer deutlich einbrachen, konnte ich noch insgesamt 36 Plätze gutmachen. Auf welchen Rang ich mich befand wusste ich zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht. Bis auf wenige Ausnahmen überholte ich dort fast nur noch selbst. Ich wusste, dass jede Position entscheidend sein wird und habe bis ins Ziel um jeden Platz gekämpft. 

Auch die äußeren Bedingungen machten das Rennen anspruchsvoll. Am Start lagen die Temperaturen noch bei angenehmen 19 Grad. Im weiteren Rennverlauf stiegen sie dann auf bis zu 32 Grad. Die One-Stop-Strategie mit Wasserauffüllen bei Kilometer 85 (nach 2:49 h) war wichtig, da ich alle weiteren Carbs in einer Flask und per Gels mithatte. Die Ernährungsstrategie ging mit rund 95 Gramm Carbs/h bis ins Ziel voll auf.

Das Material funktionierte ebenfalls perfekt. Vor allem die 30mm-Reifen waren auf teilweise ruppigen & rauen Belägen die richtige Wahl und die 10/36-Kassette an den Anstiegen viel wert. 

Rückblickend war nicht nur die körperliche Form entscheidend, sondern auch der mentale & positive Fokus in den schwierigen Rennphasen.

Auf die Weltmeisterschaft in Japan werde ich verzichten, da sie zeitlich mit dem Ötztaler Radmarathon kollidiert und die Reise für mich mit einer guten Woche Abwesenheit von der Familie nicht umsetzbar ist. Dafür werde ich am 4. Oktober bei der Europameisterschaft in Varese (Italien) starten. Dort im Deutschlandtrikot fahren zu dürfen, ist für mich eine große Motivation. 

Nach diesem Erfolg gilt der volle Fokus nun der Vorbereitung auf den Arlberg Giro, den Ötztaler Radmarathon und schließlich dann der EM. 

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